Folge Deinem Herzen!
Neues zu wagen, kostet Mut und Risikobereitschaft. Ich war Ende 30, hatte BWL und Medienmanagement studiert und bereits einige Jahre erfolgreich und mit Freude im Marketing auf Verlagsseite gearbeitet. Es lief eigentlich alles gut. Warum also den eingeschlagenen Karrierepfad verlassen?
Weil da diese große Sehnsucht war, kreativ zu arbeiten. Nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen. Sich plötzlich als Designerin für Schmuck und Lederaccessoires selbstständig zu machen, war ein radikaler Schritt. Berufliches Neuland für mich, genauso wie die Selbstständigkeit.
Also habe ich angefangen. Ich entwarf Taschen und Lederaccessoires, zunächst bei mir zu Hause, später gemeinsam mit einer kleinen Berliner Ledermanufaktur. Vom Prototypen bis zur Kleinserie. Ich entwickelte Schnittmuster, ohne es je gelernt zu haben, beschäftigte mich mit Materialkunde, besuchte Messen im In- und Ausland, suchte Lieferanten, arbeitete mich in Sticksoftware ein und entwarf eigene Stickdesigns.
Parallel dazu habe ich an meinen Schmuckideen gearbeitet. Ich wollte mein Know-how als Hobby-Goldschmiedin ausbauen, besuchte Kurse und mietete mich schließlich bei einer Hamburger Goldschmiedin an einer Werkbank in ihrem Atelier ein.
Gemeinsam mit einer Grafikdesignerin entwickelte ich Logo und Markenauftritt. Mein Webdesigner unterstützte mich beim Aufbau des Online-Shops. Zu dieser Zeit gab es noch keine ausgereiften Shoplösungen, vieles musste individuell programmiert werden. Improvisation gehörte zum Alltag.
Geld für Fotografen oder Texter hatte ich nicht. Also habe ich auch das übernommen: fotografiert, geschrieben, meine Kollektion vermarktet, PR gemacht, Newsletter verschickt und mich um den stationären Vertrieb gekümmert.
Es war eine intensive und besondere Zeit. Eine Zeit des Aufbruchs, des Ausprobierens und vieler durchgearbeiteter Nächte. Vor allem aber eine Zeit voller Begegnungen mit Menschen, die mich unterstützt und inspiriert haben. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Von dem Verkauf meiner Produkte leben konnte ich am Ende nicht. Und mein Hobby plötzlich kommerziell zu betreiben, hat ihm ein Stück Leichtigkeit genommen.
Ich habe mich deshalb nach einigen Jahren Selbstständigkeit dazu entschieden, wieder in meinen Beruf als Marketing- und Kommunikationsexpertin zurückzukehren.
Allerdings unter neuen Rahmenbedingungen, die mir bis heute ermöglichen, auch meine kreative Seite zu leben. Die Verbindung aus geistiger Arbeit und handwerklichem Schaffen passt für mich perfekt. Sie fordert mich und gibt mir gleichzeitig Raum für Kreativität.
Rückblickend kann ich sagen: Auch wenn ich mein Hobby nicht zum Beruf gemacht habe, habe ich mir einen festen Platz dafür geschaffen. Auf einem Niveau, das ich ohne diese Zeit nie erreicht hätte.
Reich geworden bin ich damit nicht. Aber definitiv glücklicher.